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Sonderausstellung im Glasmuseum

„Rotes Glas kleiner als 10 cm – Sammlung Scholze“

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Rubinrot, selenrot, kupferrot, violettrot, orangerot oder rot-opak, rot durchgefärbt, rot überfangen, rotgebeizt oder rot verziert . Rot sind sie alle – die Vasen, Tassen, Schalen, Kelchgläser, Becher, Perlen, Fläschchen, Kölbchen, Schmalzerl, Stamperl, Studioglasobjekte oder Musterstücke, die Professor Dr. Horst Scholze (1921 – 1990) und seine Frau Gisela (1931 – 2005) über 30 Jahre lang gesammelt haben. 2005 ging die „Sammlung Professor Dr. Horst und Gisela Scholze“ mit 650 Exponaten als Stiftung an das Glasmuseum Wertheim und wird nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

„Gegenstände aus rotem Glas, kleiner als 10 cm, von der Anfangszeit des Glases bis zur Moderne, berücksichtigend alle Herstellungstechniken, Farbabstufungen von violett bis orange und solche Gläser herstellenden Künstler“ – so beschreibt Professor Dr. Horst Scholze in seinem Lebenslauf unter „Hobbys“ den Aufbau seiner Sammlung. Für den Glasexperten Horst Scholze war das Zusammentragen und Analysieren roter Gläser mehr als ein Hobby. Als Chemiker war er schon von Berufs wegen an der Herstellung und Zusammensetzung von Glas interessiert. Er habilitierte 1959 an der Universität Würzburg für „Physikalische Chemie der Silikate“ zum Thema „Der Einbau des Wassers in Gläsern“. Von 1963 bis 1971 lehrte und arbeitete er als Ordentlicher Professor und Direktor des neuen Instituts für Silikattechnik, später Institut für Glas, Keramik und Bindemittel, an der Technischen Universität Berlin. Anschließend wechselte er an das neue Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg, das er bis 1986 als Direktor leitete. Gleichzeitig übernahm er zahlreiche Ehrenämter, u. a. den Vorsitz des Fachausschusses „Physik und Chemie des Glases“ der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft, Frankfurt (DDG, 1971 bis 1986), den Vorsitz des Komitees „Science and Technology“ der International Commission on Glass (ICG, 1972 – 1977), der er als Präsident von 1981 bis 1984 vorstand. Auf den vielen Reisen rund um den Globus zu Symposien, Tagungen, Fachgesprächen, auf denen er von seiner Frau Gisela begleitet wurde, trugen sie die ursprünglich 800 Exponate der Sammlung zusammen. Darunter Mustergläser und Probeschmelzungen von Glasunternehmen wie ein polychromatisches Glasstück der Corning Glass Works, USA, oder extra von Glaskünstlern für ihre Sammlung angefertigte Glasobjekte wie ein rotes Glas-Ei von Albin Schädel aus Arnstadt. Beruf, Ehrenämter und Sammelleidenschaft führten schließlich dazu, dass der Glas-Chemiker Professor Dr. Scholze auf den Glas-Physiker und Gründer des Glasmuseum Wertheim, Dr. Hans Löber (1900 – 1978), traf.

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Gesammelt wurde alles und überall: vom Schnapsglas, Nippes-Elefant oder Andenkenglas aus Kaufhäusern oder vom Flohmarkt, von antiken Gemmen, kostbaren Vasen, Kelch- und Bechergläsern wie die Fazzoletto-Vase von Venini aus Italien (um 1940) oder der „Zaren“-Becher aus Russland (um 1840), erworben in Galerien, Antiquitätenläden oder Auktionshäusern, bis hin zu Glasobjekten zeitgenössischer Künstler wie Josef Welzel, Pavel Molnar, Kurt Wallstab, Harvey Littleton und Dale Chihuly aus den USA oder Fujita Kyoto aus Japan. Die Glasobjekte sind eine wertvolle Ergänzung der seit 1976 bestehenden Studioglas-Sammlung des Glasmuseum Wertheim. Dass Professor Dr. Scholze und seine Frau Gisela nicht nur Wertheim, sondern auch das Glasmuseum gut kannten, zeigen die zur Sammlung gehörende Vase des Wertheimer Glasgestalters Walter Bahr und die im Glasmuseum erstandenen Objekte wie die Vase von Rolf Kuhn aus Markheidenfeld und der „Keltenring“ von Alois Wienand aus Boxtal. Rosemarie Lierke aus Schwalbach/Taunus, die das Glasperlenkabinett des Glasmuseums wissenschaftlich betreut hat, verkaufte ihnen eine Schale in Kraqueléetechnik – ihr erstes verkauftes Glasobjekt anlässlich des 1978 in Wertheim tagenden Fachausschusses V „Glasgeschichte und Glasgestaltung“ der DGG.

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Rotes Glas ist kompliziert in der Herstellung, deshalb faszinierend für den Chemiker. Ein Grund sicherlich für Professor Dr. Scholze und seine Frau Gisela, gerade dieses Glas zu sammeln. Seit den Anfängen der Glasherstellung stellte die Herstellung roten Glases eine Herausforderung an Glasmacher und Künstler dar. Bis ins 16. Jahrhundert war rotes Glas in der Regel opak. Erst dann gelang es, ein durchscheinendes homogenes rotes Glas herzustellen, das seinen Höhepunkt in der Erfindung der Goldrubingläser durch Johann Kunckel in den 1680er Jahren erreichte. Ab diesem Zeitpunkt wurden Gläser aus rotem Glas vornehmlich von den Reichen und Mächtigen für sich beansprucht. Heute kommt das rote mit dem giftigen Cadmium hergestellte Glas hauptsächlich aus China, da es in deutschen Glashütten aus Umweltschutzgründen nicht mehr geschmolzen wird.

Ergänzend zur Sonderausstellung „Rotes Glas kleiner als 10 cm –Sammlung Scholze“ zeigt das Glasmuseum Wertheim die Bedeutung und Symbolik der Farbe Rot am Beispiel roter Gläser im begehbarem „Glas-ABC“.

Eröffnung der Sonderausstellung „Rotes Glas kleiner als 10 cm – Sammlung Scholze“ Donnerstag, 25. März 2010, 17.00 Uhr / Eintritt frei